1. „Alles selbst zu machen, ist die beste Existenzgrundlage.“

„Alles selbst zu machen, ist die beste Existenzgrundlage.“

Die Übernahme der Kölner Druckerei Flock bescherte Georg Gottwald eine viele Jahre andauernde Berg- und Talfahrt. Permanente Anpassungen an veränderte Marktsituationen und die Konzentration auf Geschäftskunden sicherten schließlich die Wettbewerbsfähigkeit auf Dauer ab. Die für den Erfolg nötige, hohe Wertschöpfung wird vor allem über den Einsatz von Horizon Maschinen in der Weiterverarbeitung erzielt.

„Eine eigene Druckerei zu besitzen, war gar nicht meine Absicht“, sagt Georg Gottwald. Doch kaum hatte der heute 44-Jährige seine Meisterprüfung hinter sich, kam es anders als geplant. „Ein Lieferant meines damaligen Ausbildungsbetriebes sprach mich an, ob ich nicht Interesse an der Übernahme einer alteingesessenen Druckerei hätte“, erinnert sich Gottwald. Die Eckdaten machten einen guten Eindruck: 1969 gegründet, verfügte die in Köln-Pesch beheimatete Druckerei Flock über einen soliden Kundenstamm aus Unternehmen und Agenturen, bediente mit einem Team aus zehn engagierten und erfahrenen Fachkräften ausschließlich Firmenkunden und erfreute sich gut gefüllter Auftragsbücher. Der Inhaber wollte sich nun aber aus dem Berufsleben zurückziehen und suchte einen geeigneten Nachfolger. „Alles passte gut zusammen, auch auf der menschlichen Ebene“, berichtet Georg Gottwald. Gerade mal 24 Jahre alt, fühlte er sich der Rolle des Unternehmers aber alleine nicht gewachsen. Er tat sich mit einem befreundeten Kollegen zusammen und die frisch gebackenen Druckereibesitzer machten sich mit Ehrgeiz und Elan an die Arbeit.

Steiniger Weg zum Erfolg.

Auf den Enthusiasmus folgte einige Jahre später Ernüchterung. Mit der rasanten Verbreitung des Digitaldrucks veränderten sich die Anforderungen der Kunden, zugleich musste der in die Jahre gekommene Maschinenpark erneuert werden. Lieferverzögerungen und unerwartete technische Probleme bei der Inbetriebnahme von Ersatzgeräten brachten Firmeninhaber und Belegschaft zusehends in eine schwierige Lage. „Auf 800 m² Produktionsfläche stand zeitweise keine einzige funktionsfähige Anlage. Um vorhandene Aufträge erfüllen zu können, mussten wir die Arbeiten in andere Druckereien verlagern“, so Georg Gottwald. Um die Kosten im Griff zu behalten, musste sich die Druckerei Flock verkleinern und den Standort wechseln. Von Köln-Pesch aus ging es schließlich in den Stadtteil Frechen, in ein Gewerbegebiet nahe des Autobahnkreuzes Köln-West. Am Ende dauerte es gut zehn Jahre, bis der Betrieb die zwischenzeitlich bedenklich gewordene Lage stabilisieren und wieder eine solide Basis finden konnte. Aufgeben war für den gelernten Offsetdrucker keine Option. Während sich sein Teilhaber beruflich neu orientierte, blieb Gottwald beharrlich bei der Stange und trägt nun als alleiniger Inhaber die Verantwortung. Heute verfügt die Druckerei Flock auf 600 m² Produktionsfläche in Köln-Marsdorf über modernste Maschinen und mit einer auf fünf Personen geschrumpften Belegschaft fühlt sich das Unternehmen gut auf die Zukunft vorbereitet.

Konzentration auf Offsetdruck.

Den Erfolg schreibt Georg Gottwald der hohen Fertigungstiefe seines Betriebes zu, die der Druckerei Flock eine Wertschöpfung in der Größenordnung von 90 Prozent beschert. Beliefert werden vor allem Industrieunternehmen in einem Umkreis von gut 100 Kilometern. Stammkunden sichern 80 Prozent des Auftragsvolumens. Während viele andere Wettbewerber auf Digitaldruck umgesattelt haben, hält Gottwald konsequent an der Offsetproduktion mit einer 5-Farben-Anlage vom Typ Heidelberger CD-102-5 LX fest: „Wir produzieren in erster Linie hohe Auflagen an Broschüren, Postern, Flyern und Katalogen. Der Offsetdruck ist da nach wie vor die wirtschaftlichste Option.“ Weil die Kunden alle Produkte selbst gestalten, umfasst die Vorstufe lediglich die Aufbereitung der bereitgestellten Druckdaten und verursacht somit kaum Kosten.

Höchstes Potenzial in der Weiterverarbeitung.

Qualitativ hochwertige und leistungsfähige Drucktechnik auf der einen Seite, sieht Gottwald die höchsten Wertschöpfungspotenziale aber in der Weiterverarbeitung. „Anfangs haben wir uns ganz und gar auf das Drucken konzentriert und Arbeiten wie Falzen oder Heften anderen Dienstleistern überlassen“, sagt der Firmenchef. „Als kleiner Betrieb hätten wir das nötige Fachpersonal auch gar nicht finanzieren können.“ Das änderte sich, als Georg Gottwald vor gut fünf Jahren auf die Produkte von Horizon aufmerksam wurde. Zunächst war er nur auf der Suche nach einer Falzmaschine zur Verarbeitung von 70/100-Großformaten. Die Entscheidung fiel zugunsten einer Horizon AFC-746F aus. Als Kombifalzmaschine für das B1-Format verfügt das System über sechs Taschen und zwei Schwertfalzstationen, die Papierzufuhr erfolgt wahlweise per Paletten- oder Rundstapelanleger. Falzart und Formate sind per Touchscreen schnell und komfortabel wählbar, die vollautomatische Einstellung ersetzt das zeitaufwändige Justieren der einzelnen Komponenten und verkürzt dadurch die Rüstzeiten. Der Philosophie einer möglichst einfachen Bedienung folgend, erfordert der Einsatz der AFC-746F kein einschlägiges Fachpersonal - und kommt damit insbesondere den Anforderungen kleiner Betriebe entgegen.

Maschinenpark zügig ausgebaut.

Mit der Leistung der Falzmaschine und dem damit verbundenen Horizon Service rundum zufrieden, baute Georg Gottwald die Fertigungstiefe der Weiterverarbeitung zügig weiter aus. Der Maschinenpark umfasst inzwischen auch einen Horizon Klebebinder BQ-270 sowie eine PSX-56 Päckenauslage mit Bogenpresse, die flexibel und nach Bedarf am Sammelhefter oder an der Falzmaschine eingesetzt werden kann. Die PSX-56 presst die ankommenden Produkte nach und stapelt sie zu handlichen Päckchen, wodurch die Leistung der schnell laufenden Maschinen erst richtig genutzt und somit noch rentabler produziert wird. Als „Rückgrat“ dient der Druckerei Flock schließlich ein Horizon Sammelhefter StitchLiner Mark III inklusive Zusammentragmaschine VAC-L600H mit vier Türmen. Per Knopfdruck und in Sekundenschnelle vorbereitete Jobs abrufen und mit einer Geschwindigkeit bis zu 6.000 Exemplaren pro Stunde in höchster Qualität rückstichgeheftete Broschüren herstellen: Als Hochleistungssytem für die industrielle Produktion zählt der StitchLiner Mark III mittlerweile zu den weltweit beliebtesten Lösungen zur Realisierung einer optimalen Wirtschaftlichkeit in der Broschürenfertigung. Eine zuverlässige Verarbeitung von Broschüren im A4-Querformat wird durch die Zusammentragmaschine VAC-L600H ermöglicht, die Aufnahme von Bogen mit einer Länge bis zu 610 mm erlaubt. Parameter wie Überlappung, Geschwindigkeit, Saug- und Blasluft lassen sich individuell einstellen und gewährleisten auch bei kritischen Papieren einwandfreie Ergebnisse.

Für Georg Gottwald trägt die Flexibilität der Weiterverarbeitung wesentlich zur Existenzsicherung der gesamten Druckerei bei: „In unserem kleinen Team muss praktisch jeder alles machen können. Wenn es nötig ist und gerade nicht anders geht, steht der Vertriebsmann auch schon mal an der Falzmaschine. Mit den Maschinen von Horizon lässt sich das ohne Weiteres machen, ansonsten könnten wir die Wirtschaftlichkeit unserer Produktion schwerlich sicherstellen.“

Wettbewerbsvorteil FSC-Zertifizierung.

Neben der Effizienz des Maschinenparks behält Georg Gottwald aber auch Veränderungen im Umfeld des Marktes im Auge. So forderte ein öffentlicher Auftraggeber als Teilnahmevoraussetzung für die Ausschreibung eines Großprojektes unlängst den Nachweis einer FSC-Zertifizierung. Angesichts der mit einer Zertifizierung verbundenen Kosten zögerte Gottwald zunächst, bis er von der Möglichkeit der Gruppenzertifizierung erfuhr: Mehrere kleine Betriebe mit jeweils höchstens 15 Mitarbeitern bzw. maximal drei Millionen Euro Jahresumsatz werden dabei zu einer Gruppe vereint und gemeinsam zertifiziert. Die Kosten fallen deutlich niedriger aus als bei einer Einzelzertfizierung, waren damit auch für die Druckerei Flock erschwinglich und zahlten sich am Ende über den Gewinn der Ausschreibung sogar unmittelbar aus. Für die Zukunft rechnet Georg Gottwald damit, dass immer mehr Kunden auf Gütesiegel achten werden und die FSC-Zertifizierung durchaus einen Wettbewerbsvorteil darstellt. Trotz schwieriger Phasen ist er rückblickend glücklich, dass er den Sprung in die unternehmerische Selbstständigkeit gewagt hat. Sein Tipp: „Am Ball bleiben und nicht den Kopf in den Sand stecken. Irgendwie gibt es immer eine Lösung.“

März 2020