Klebebindung von farbintensiven Drucken
von Dipl.-Ing. (FH) Peter Stadler, FOGRA Druck e.V., München Die Technologie der Klebebindung hat zweifellos durch den Einsatz von Schmelzklebstoffen (Hotmelt) erheblich zur Steigerung der Produktivität und Wirtschaftlichkeit in der Broschüren- und Taschen-buchfertigung beigetragen. Erst durch diese Klebstoff-Typen konnten Maschinen am Markt angeboten werden, bei denen Stundenleistungen bis zu 18.000 Takten möglich sind. Durch den zunehmenden Anteil der Hotmeltbindung am Auftragsvolumen der Buchbindereien ist verständlich, dass diese Klebstoffe vielfach auch bei schwierigeren Aufträgen wie gestrichene Papierqualitäten, hohe Produktstärken bzw. hohe Papierflächengewichte zum Einsatz kommen. Vielfach arbeiten die Buchbindereien auch bei fadengehefteten Buchblöcken mit Hotmelt, um die am Buchrücken überstehenden Fäden durch eine gleichmäßige Schicht auszugleichen. Verarbeitung zunehmend problematisch In den letzten Jahren traten zunehmend Probleme auf, da aus gestaltungstechnischen Gründen vermehrt Bildumrahmungen in Form von farbigen oder schwarzen Vollflächendrucken eingesetzt wer-den. Dadurch kam es immer wieder zu kostenträchtigen Reklamationen in den Buchbindereien.
Vielfach ließ sich in der Broschürenherstellung eine Durchfettung des Hotmelts bis auf die Außenseiten des Umschlagkartons im Bereich der Rückenbeleimung und der Seitenbeleimung feststellen. Kennzeichnend für diese Reklamationen war, dass nur im Bogenoffset gedruckte Auflagen diese Qualitätsveränderungen in der Hotmeltbindung aufwiesen. Erfahrungsgemäß bewegen sich solche Schadensfälle immer in beträchtlichen finanziellen Größenordnungen, da gebundene Broschüren und Bücher durch die vorausgegangenen Herstellungsprozesse wie Satz, Repro und Druck sowie die Summe der Materialien einen erheblichen Wert darstellen. Eine Reparatur der beschädigten Bindungen stellt sich immer als sehr schwierig und in vielen Fällen als gänzlich unmöglich heraus.
Wechselwirkungen zwischen Bogenoffsetfarben und Hotmelts
Die FOGRA hat bereits vor Jahren ein Forschungsvorhaben bearbeitet, dessen Ergebnisse eindeutig belegen, dass zwischen Bogenoffsetfarben und Hotmelts auf der Basis von EVA-Copolymeren (Ethyl-Vinyl-Acetat-Copolymere) Wechselwirkungen bestehen. Diese Ergebnisse wurden in der gesamten Branche publik gemacht und über Jahre waren kaum noch Reklamationen zu verzeichnen. Zwischenzeitlich scheint sich jedoch ein Generationswechsel in den Buchbindereien vollzogen zu haben und bezüglich der Problematik Druckfarbe/Hotmelt besteht offensichtlich wieder eine geringere Sensibilität.
Die Farben für den Bogenoffset sind problematisch, da sie Öle in erheblicher Konzentration enthalten. Im Rollenoffset werden durch die Heißlufttrocknung enthaltene Öle zum größten Teil verdampft, beim Tiefdruck werden die Lösungsmittel der Farben verflüchtigt, sodass nur noch Farbpigmente und Harz als Bindemittel auf dem Papier zurückbleiben. Die Farben für den Bogenoffset bestehen zu ca. 30 % aus Mineralölen bzw. alternativen Ölen, die beim Druck vom Papier aufgenommen werden. Die Trocknung dieser Farben erfolgt durch Wegschlagen und/oder Oxidation über den Zeitraum von Stunden bis zu Tagen.
Ob die Farben bei der Hotmelt-Beleimung Schwierigkeiten bereiten, hängt mit Sicherheit von dem gedruckten Motiv bzw. dem Flächendeckungsgrad der Farbe ab. Bei einem hohen Farbanteil kann pro Quadratmeter Papier mehr als 1 g Öl anfallen, das in dem Papier verbleibt. Auch die Lagerzeit zwischen dem Druck und der Weiterverarbeitung in der Buchbinderei dürfte einen wesentlichen Einfluss auf die Bindbarkeit ausüben. Bedingt durch die immer kürzer werdenden Zeitabstände zwischen dem Druck und der Weiterverarbeitung wird ein zusätzlicher negativer Effekt verursacht.
Durch die mit Farbe bedeckte Papieroberfläche wird bereits bei der Bindung eine schlechtere Verklebung erfolgen als bei unbedrucktem Papier; eine Qualitätsver-änderung der Bindung kann jedoch auch erst nach einem längeren Zeitraum auftreten. Jeder Bindeauftrag sollte deshalb als kritisch betrachtet werden, wenn die Bilder bis in den Bundsteg hineinreichen. Klare Testergebnisse
Durch vergleichende Qualitäts-prüfungen von unbedruckten und bis in den Bundsteg bedruckten Papieren aus gleichen Auflagen wurde bei der FOGRA untersucht, wie schnell und im welchem Maß die bedruckten Papiere zu den Klebstoffveränderungen beitragen. Die Ergebnisse der Pulltests liegen bei den gebundenen bedruckten Büchern um etwa 30% bis 50% niedriger als bei den unbedruckten Ausfallmustern. Durch den direkten Kontakt des Hotmelts mit den Farben kann ein erst nach langer Zeit zu bemerkender Effekt auftreten. Im Verlauf von einigen Wochen oder Monaten kann sich eine gravierende Verschlechterung der Bindequalität ergeben. Die Versuchsbindungen mit unterschiedlichen Hotmelts und eine künstliche Alterung der Bindungen im Klimaschrank zeigten, dass in Verbindung mit Vollflächendrucken mit keinem der konventionellen Hotmeltsysteme eine dauerhafte Haltbarkeit der Bindung erreicht werden kann.

