Ausgerissene Ecken: Wie Sie Schneideprobleme
in Dreimesserautomaten bewältigen
Zur hohen Kunst der Buchbinderei gehört das Beschneiden von klebegebundenen Büchern. Äußerste Vorsicht und perfekte Vorbereitung sind geboten, um die Wertigkeit des Produktes zu erhalten und zu erhöhen. Auf das Wie kommt es an – unser Experte Gert Heimbold kennt die Tricks.
Beim Beschneiden von klebegebundenen Büchern kann es vorkommen, dass die jeweils unten liegenden Ecken der Buchrücken auf ca. 1–2 mm ausreißen. Besonders dann, wenn die Umschläge vorher aufwändig laminiert bzw. cellophaniert wurden, schmälert das natürlich die hohe Wertigkeit der Produkte. In vielen Fällen ist dieses Ergebnis nicht ganz zu vermeiden, da der beschriebene Effekt durch einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Buchstärke, Abschnittbreite, Messerschliffwinkel und Zähigkeit des Überzugs entsteht. Und darauf hat der Buchbinder in der Praxis oft keinen Einfluss. Es gibt ein paar Punkte, die man beachten sollte, um das Risiko solcher Ausrisse zu minimieren – im nebenstehenden Kasten »Tipps & Tricks« sind sie genau beschrieben!

Um ein Ausreißen der Ecken zu vermeiden, sollte der
Bediener eine zusätzliche Presspappe anbringen,
die bis auf den Buchrücken reicht.
- Achten Sie beim Klebebinden bereits auf eine glatte, gleichmäßig aufgetragene Seitenbeleimung. Wenn sich die Bücher zu beiden Seiten des Rückens »knubbelig« anfühlen, liegen die Rücken nachher im Stapel nicht vollflächig aufeinander; anders gesagt: Es gibt Lücken zwischen den Rücken! Wenn nun das Messer durch den Stapel fährt, haben die Rückenkanten keinen richtigen Gegendruck zueinander und die Ecken reißen aus.
- Wenn der Inhalt des Buches aus sehr hartem, gestrichenem Papier besteht (Kunstdruck oder Bilderdruck), ist der gesamte Buchblock beim Pressen nicht nachgiebig genug. Addiert man nun noch das erhöhte Auftragen der Druckfarbe hinzu (besonders beim Digitaldruck), erhält man den Effekt, dass das Buch in der Mitte dicker ist als am Rücken. Auch in Stapeln mit solchen Büchern entstehen Lücken zwischen den Rücken, die das Ausreißen der Ecken begünstigen. In solchen Fällen kleben Sie eine weitere dicke Presspappe auf den Stempel, die allerdings nach hinten so lang ist, dass sie auf den Rücken drückt.
- Auf Kosten der Effektivität, aber zu Gunsten der Qualität können Sie natürlich die Stapelmenge geringer halten: Wenn Sie nur zwei Bücher statt fünf schneiden, ist das Verhältnis von Pressdruck und Verformung des Stapels günstiger.
- Als selbstverständlich setzen wir voraus, dass die Messer scharf und sauber sind! Es sind gerade die Leimreste am Messer, die oftmals die Schnittqualität verderben.

