PUR – wie funktioniert das? (II)
Im Teil (I) werden die Grundlagen der PUR-Technologie beschrieben. Dieses Mal sollen praxisbezogene Tipps im Mittelpunkt stehen. Dabei gilt ein Grundsatz: Wer den PUR-Leim verarbeitet, muss nicht nur im Handling umdenken, sondern sollte sich auch mit der Vorbereitung des Bindeguts für dieses Bindeverfahren auseinandersetzen.
Wie muss der Buchrücken für ein optimales Bindeergebnis bearbeitet werden?
Entscheidend bei der Verleimung von Buchblöcken mit PUR ist die Rückenbearbeitung. Es ist sehr wichtig, dass beim Fräsen die einzelnen Papierfasern an den Blattkanten freigelegt werden, damit der Leim direkt eine Verbindung mit den offenen Fasern eingehen kann. Um ein solches Freilegen der Papierfasern zu erreichen, nutzt man im Fräswerk so genannte »Aufrauzähne«, wie sie beispielsweise im BQ-470 von Horizon zum Einsatz kommen. Wenn man nach dem Fräsvorgang ein einzelnes Blatt genauer unter die Lupe nimmt, kann man sehr schön sehen, dass die »Aufrauzähne« nur die Blattkante bearbeitet haben und die Papierfasern somit optimal freigelegt sind. Jetzt muss der Buchrücken noch vom Frässtaub befreit werden. Dies geschieht im BQ-470 von Horizon mit einer rotierenden Bürste. Danach ist der Buchblock optimal für die Beleimung vorbereitet.
Spielt bei PUR die Laufrichtung des Papiers noch eine Rolle?
Vorsicht! Bei der Wahl der falschen Laufrichtung des Papiers kann kein optimales Bindeergebnis gelingen, da durch die flüssige Konsistenz des Leims eine Wellenbildung im Rücken nicht zu verhindern ist. Die Folgen bei der Verarbeitung in falscher Laufrichtung können dann, je nach Art des Materials, verheerend sein – z. B. das Ausbrechen einzelner Seiten oder ein Verblocken (der Buchrücken weist dann eine hohe Spannung auf), wodurch das Aufschlagverhalten stark beeinträchtigt wird. Also immer gleich die richtige Laufrichtung wählen!

Vorsicht! Wo sich beim Glattziehen der Papierkante
viele kleine Wellen bilden, liegen die Faserendpunkte.
Zu dieser Kante verlaufen die Fasern im rechten Winkel.
Sie müssen aber immer parallel zum Rücken verlaufen –
auch bei PUR-Klebebindung (siehe auch Frage 2).
Wann ist es möglich, mit PUR gebundene Bücher zu schneiden?
Solange das gebundene Buch flach liegt und nicht geöffnet wird, und solange es sich nicht um eine extreme Grammatur beim Papier handelt, können PUR-gebundene Bücher auch schon nach ca. 3 bis 6 Minuten Warte zeit geschnitten werden. Bei den heutigen PUR-Klebstoffen hat dann bereits ein erstes Abbinden des Klebstoffes stattgefunden und eine Verformung des Buchrückens ist nahezu ausgeschlossen. Bei sehr dicken Buchblöcken sollte nach wie vor mit dem Schneiden gewartet werden, da hier die Gefahr einer Verformung des Buchrückens erheblich größer ist.
Wie muss übrig gebliebener PUR- Klebstoff entsorgt werden?
Der PUR-Klebstoff ist nach Abschluss der Reaktion mit Wasserstoffmolekülen »chemisch tot«. Er ist praktisch als Kunststoff anzusehen und kann somit auch als solcher entsorgt werden.

