PUR – wie funktioniert das? (I)

Was ist reaktiver Leim?

Im PUR(Polyurethan)-Klebstoff sind Anteile von Isocyanaten enthalten, die eine Verbindung mit Wasserstoffmolekülen eingehen. Dieser Vorgang ist nach ca. 18 Stunden des Auftrags komplett abgeschlossen. Danach ist der PUR-Leim »chemisch tot«. Er kann nicht wieder geschmolzen werden, bleibt zwar flexibel, aber er bricht nicht mehr. PUR ist also »reaktiv«, weil er eine Reaktion mit Wasserstoffmolekülen benötigt.

Welche Möglichkeiten des Leimauftrages gibt es?

Es gibt heute in der Weiterverarbeitung zwei Möglichkeiten, PUR aufzutragen – den Walzenauftrag (»offenes System«) und die Auftragsdüse (»geschlossenes System«). Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Walzensysteme werden meistens  in kleinen, kompakten Klebebindern wie dem BQ-470PUR von Horizon eingesetzt, die mit eher niedrigen Geschwindigkeiten arbeiten. Bei größeren und schnelleren Bindestraßen mit Lauf­leistungen von 6.000 T/h und mehr werden zunehmend Düsensysteme eingesetzt, da sie auch bei hohen Geschwindigkeiten einen exakten, gleichmäßigen Leimauftrag erzielen. Nachteil eines Düsensystems ist manchmal die zeitaufwändige Einstellung mit Makulaturanfall. Bei Klein- und Kleinstauflagen ist das Walzensystem also die bessere Lösung.

Was muss beim Verarbeiten beachtet werden?

Bei einem »offenen System« ist die Haltbarkeit des PUR-Klebstoffes im Becken begrenzt, da dieser permanent der Umgebungsfeuchte ausgesetzt ist, und somit die Reaktion schon beginnt. Hier heißt es also: das Becken mit Leim befüllen – idealerweise über eine Fassschmelze – und den Leim verarbeiten. Anders ist es beim »geschlossenen System«, denn hier wird der PUR-Klebstoff erst am Buchrücken der Umgebungs- und Papierrestfeuchte ausgesetzt. Polyurethan reagiert aber auch durch thermische Belastung, also Hitze, jedoch nicht so schnell und stark wie bei Feuchtigkeit. In Verbindung mit einer Fassschmelzanlage kann man heute ein Leimfass über mehrere Tage verwenden.

Wie dick ist der Leimauftrag?

Ein ganz wichtiger Vorteil gegenüber dem EVA-Hotmelt-Verfahren ist der viel dünnere Leimauftrag. Die PUR-Technik ermöglicht Auftragswerte zwischen 0,3 und 0,7 mm und braucht auch keine Leimeinschüsse: Es werden lediglich (wie beim BQ-470PUR) die beiden Rakel der Leimtrommeln soweit geöffnet, dass ausreichend Leim auf den Trommeln ist, um die Blattkante mit Leim zu benetzen. Man benötigt hier also keinen Staudruck wie beim Hotmelt-Verfahren. Dies setzt wiederum eine exakte, gleichmäßige Rückenbearbeitung voraus – auch hier ist der Horizon-Klebebinder BQ-470PUR ein gutes Beispiel. Die Rückenbearbeitung legt die einzelnen Papierfasern frei, die dann eine perfekte Verbindung mit dem Leim herstellen können. Ergebnis: optimales Aufschlagverhalten, höchste Bindekraft.




Beim Klebebinder BQ-470 kann das PUR-Leimbecken leicht herausgezogen und gegen das EVA-Leimbecken ausgetauscht werden