Falsche Laufrichtung - schlechte Qualität

Die Papier faser muss immer parallel zum Bund bzw. Rücken verlaufen
Die Faserlaufrichtung des Papiers ist für die Qualität in der Druckweiterverarbeitung ein entscheidender Faktor. Unser Experte Gert Heimbold sagt, worauf es ankommt.
Die Laufrichtung entsteht bei der Papierherstellung. Der Papierbrei wird auf laufenden Siebbändern entwässert und über rotierenden Walzen getrocknet. Innerhalb dieses Prozesses richten sich die Fasern des Papiers in Bewegungsrichtung aus. Beim Konfektionieren zu Bogenware werden die DIN-Formate teils längs, teils quer aus der Rollenware herausgeschnitten. So entstehen Bogen in »Schmalbahn « (Fasern verlaufen parallel zur langen Seite) und in »Breitbahn« (parallel zur kurzen Seite). Was ist für die Druckweiterverarbeitung wichtig? Bei gebundenen oder gehefteten Printprodukten muss die Faser immer parallel zum Bund bzw. zum Rücken verlaufen – eines der wichtigsten Gesetze der Buchbinderei. Die Papierphysik muss auch bei den heutigen modernen Maschinen beachtet werden:

  • Der Papierlauf ist reibungsloser und schneller, z. B. bei dicken Broschüren,
  • die Haltbarkeit ist ungleich höher, z. B. bei gebundenen Büchern,
  • die Passgenauigkeit ist nur so erreichbar, z. B. beim Falzbogen und beim Broschürenfalz
  • Die Qualität des Endprodukts ist besser: keine aufklappenden Hefte, keine brechenden Buchrücken etc.

Warum aber wird die Laufrichtung so oft ignoriert? Zum Beispiel, weil manche vor allem im Digitaldruck verwendeten Papiere nicht gekennzeichnet sind. Für den Druck loser Blätter ist das kein Problem, bei der Bindung auf jeden Fall. Auch falsche Sparsamkeit spielt eine Rolle, wenn das richtige Papier nicht vorrätig ist oder der Verschnitt gesenkt werden soll. Ein dritter Grund ist ein Mangel an Kommunikation zwischen der Vorstufe und der Endfertigung zum Zeitpunkt des Auftragseingangs. Empfehlenswert ist es, die Auftragsabwicklung erst einmal theoretisch durchzuspielen, und zwar vom Ende her:

  • Die Vorstufe klärt mit dem Buchbinder die Art des Produktes, z. B. eine A5-Broschüre in Rückstichheftung. Der Buchbinder nennt die notwendige Laufrichtung der Broschüre, also Endformat A5-Schmalbahn.
  • Der Drucker sagt, auf welchem Format er drucken wird.
  • Jetzt weiß die Lagerhaltung, welches Papier verwendet wird.
  • Die Vorstufe beginnt mit den Montagen für die Druckplatten. So können Sie schnell feststellen, ob der Drucker Papier in Schmal- oder Breitbahn benötigt:
  • Nennen Sie zuerst das Endprodukt: z. B. eine DIN-A5-Broschüre – die Laufrichtung muss Schmalbahn sein (parallel zum Rücken). DIN-A5 ist eine ungerades Papiermaß.
  • Jetzt klären Sie, auf welchem Druckformat montiert und gedruckt werden soll. Wenn dieses Format ebenfalls eine ungerade Zahl hat (A1 oder A3), wählen Sie beim Druckbogen die gleiche Laufrichtung, also Schmalbahn. Wollen Sie auf A4, A2 oder A0 drucken, wählen Sie die Breitbahn als Laufrichtung.

Die Einhaltung der Grundregel »Faserrichtung = Bundrichtung« erspart Probleme, Zeitverluste und Kosten, die ungleich höher sein können als jeder eventuelle Papierpreisvorteil.