Digitaldruck-Tipps beim Heften, Falzen, Klebebinden, Schneiden (III)

Wer hochwertige Druckprodukte herstellen will, muss die Eigenschaften des Papiers berücksichtigen. Doch oft wird diesem Thema zu wenig Beachtung geschenkt. Nach den Themen Papierfaser, Temperatur, Klima und Aufbereitung, geht es diesmal rund um die Broschürenfertigung.

Wie laufen sie denn ... die Papierfasern?  

Für die Weiterverarbeitung gilt das eherne Buchbindergesetz: »Laufrichtung immer parallel zum Buchrücken bzw. zur Bundseite!« Besonders für die Broschürenfertigung, also für rückstichgeheftete Broschüren, ist immer ein Druckformat mit der Faserrichtung »Breitbahn« (englisch »short grain«) das Format der Wahl.

Gebrochener Druck, gebrochene Nerven?

Beim Falzen digital bedruckter Papiere brechen leider immer wieder im Falz liegende Farbflächen auf. Insbesondere beim Umschlag wirkt ein gebrochener Rücken unprofessionell und wird oft reklamiert. Wiederum ist die Wahl der Laufrichtung entscheidend: Beim Falzen gegen die Laufrichtung platzen die Fasern unkontrollierbar auf und zerstören unweigerlich im Falz die Farbe. Hilfreich ist darüber hinaus das Rillen der Bogen, mitunter unkorrekt auch »Nuten« genannt. Rillen Sie zumindest die Umschläge, die ja meist in einer höheren Grammatur  gefertigt sind und den Qualitätseindruck entscheidend prägen.


Beim Horizon-StitchLiner ist das Rillen ein automatisierter Inline-Prozess.

  • Nutzen Sie bei den Online-Broschürenaggregaten Horizon CW-2000, CW-5000 und CW-8000 die zuschaltbare Funktion der Rillung.
  • Sollte das Rillen in Ihren Aggregaten nicht möglich sein, können Sie zumindest den Umschlag auf externen Geräten vorrillen. Die AFC-Falzmaschinen von Horizon rillen mit speziell für empfindliche Digitadruckoberflächen entwickelten Spezialwerkzeugen, z.B. dem TriLux-Creaser. Das Rillen sollte immer von außen nach innen geschehen, damit die Faser an der sichtbaren Seite nicht gestreckt, sondern verdichtet wird.


Der Frontschnitt nimmt so manches mit

Wenn die gehefteten Bogen zu einer fast perfekten Broschüre gefalzt worden sind, entsteht an der Frontseite ein pfeilförmiger Vorschub der inneren Seiten, der mit der Seitenzahl der Broschüre wächst. Da Sie beim Frontschnitt den gesamten Vorschub beschneiden müssen, könnten randnahe Objekte an- bzw. abgeschnitten werden. Ein entsprechender Satzspiegelausgleich vermeidet das, er gehört zu den Aufgaben der Druckvorstufe. Grundsätzlich müssen die Satzspiegel mehr nach innen rücken, je weiter die Seiten zur Mitte der Broschüren liegen.


Faustregeln:

  • Pro mm Broschürenstärke nimmt  der Abstand der gegenüberliegenden Satzspiegel im Bund um 1 mm ab.
  • Grundsätzlich sollten Sie immer ausreichende Beschnittränder vorsehen: Für die Frontseite min­des­tens 3, bei dicken Broschüren bis zu 7 mm. Falls Sie an drei Seiten schneiden, z.B. im Horizon-StitchLiner 5500, dürfen die Beschnittränder an Kopf- und Fußseite nicht allzu groß sein. Je schmaler der Beschnittrand, desto geringer das Risiko, dass die Rückenecken ausreißen, vor allem bei laminierten Umschlägen. 1,5 bis 3 mm sind dort genug.